Zum vierten Mal in Folge belegt die Agentur Mediatonic den Spitzenplatz des RECMA-Rankings. Seiler’s Werbeblog wollte mehr zum Erfolg der Genfer Agentur erfahren und bat Chris Fluckiger zum Interview.
Yves Seiler: Wie wichtig ist Ihnen diese Auszeichnung?
Chris Fluckiger: Diese Auszeichnung bestätigt, dass wir als führende unabhängige Mediaagentur in der Schweiz nicht nur erfolgreich, sondern auch nachhaltig agieren. Entscheidend ist für uns nicht die Platzierung selbst, sondern die Werte, die sie widerspiegelt: langjährige Kundenbeziehungen, hohe Kompetenz und ein stabiles Team. Genau diese Faktoren machen für uns den Unterschied.
Und wo sehen Sie die Gründe Ihres Erfolges?
Unser Alltag besteht darauf, auf die Bedürfnisse des Kunden zu fokussieren, transparent und offen zu sein, reaktiv und agil zu sein und den menschlichen Kontakt zu pflegen. Und daneben die Kraft und Freude zu finden, sich für neue Themen zu interessieren und diese auch anzugehen und umzusetzen.
Wir stützen uns in unserem Handeln stets auf unsere Werte: Integrität, Care, Excellence und Independence. Das heisst, wir tun, was wir sagen und sagen, was wir tun, wir kümmern uns um die Menschen, wir streben nach handwerklicher Exzellenz und wir gestalten unser Tun unabhängig von Einflüssen von aussen, nur zum Wohl der Kunden.
Wir glauben, dass diese Dinge von unseren Kunden honoriert und geschätzt werden und sie uns darum lange Jahre ihr Vertrauen schenken.
Wie wichtig ist es, dass eine Mediaagentur in der heutigen Zeit mit künstlicher Intelligenz arbeitet?
Programmatic Advertising und KI-gestützte Tools können die Werbewirkung steigern und gleichzeitig Kosten senken.
Das gelingt aber am besten, wenn diese Technologien auf die lokalen Gegebenheiten optimiert werden und auf den Nutzen der Konsument:innen fokussieren. So können Schweizer Unternehmen sich durch gezielte, relevante Inhalte gegenüber internationalen Konkurrenten differenzieren.
Wie fest nutzen Sie künstliche statt menschliche Intelligenz?
Technologie ist für uns ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Wir setzen KI und datenbasierte Systeme gezielt dort ein, wo sie Effizienz steigern und fundierte Entscheidungen ermöglichen. Gleichzeitig hinterfragen wir jeden Einsatz kritisch, denn der Mehrwert für unsere Kunden steht an erster Stelle und nicht «l’art pour l’art». Deshalb testen wir neue Technologien konsequent, bevor wir sie integrieren. Am Ende bleibt jedoch klar: Menschliche Intelligenz führt – KI unterstützt.
Und wie wichtig ist der Mensch im Allgemeinen noch?
Der Mensch steht für uns im Zentrum. Sei es bei unseren Auftraggebern, bei unseren Mitarbeitenden oder bei unseren Partnern wie den Medien. Wir sind überzeugt, dass nur der Austausch auf Augenhöhe sicherstellt, dass wir nicht nur einen ausgezeichneten Job machen können, sondern dabei auch ein lebenswertes Leben haben können.
Auf die Mediaplanung kommt für die Schweiz hinzu, dass unser Markt sehr viel Spezialisten-Know-How benötigt. Dies kann im Moment zumindest keine Maschine leisten.
Ich kann mir vorstellen, dass gerade Ihre Arbeit nochmals um einiges anspruchsvoller geworden ist. Ging es früher eher darum, die besten Plakatstellen und TV-Plätze zu ergattern, gelten für Social Media ganz andere Gesetze. Was zeichnet ein guter Mediaplaner aus?
Ein guter Mediaplaner ist in erster Linie ein sehr neugieriger Mensch, der sich nicht nur dafür interessiert, was in der Welt der Medien passiert, sondern auch für die Menschen, die wir mit den Medien erreichen wollen. Und als Treuhänder der Werbegelder unserer Kunden müssen gute Mediaplaner eine hohe Integrität und Sorgfalt aufweisen.
Was für einen Background haben Ihre Leute? Wie schwierig ist es an junge, gute Leute zu kommen?
Wir haben keine Schwierigkeiten, zu rekrutieren. Die Welt der Medien im Zeitalter der Automatisierung interessiert viele junge Menschen. Und diese Welt in einer Agentur kennenlernen zu dürfen, die hohen Wert auf den Menschen legt, gefällt ihnen auch.
Tanzen Sie auf sämtlichen Hochzeiten? Oder ist es besser, wenn man sich als Mediaagentur spezialisiert?
Wir sind eine 360-Grad Mediaagentur und machen alles in-house. Man könnte sagen, dass wir damit ein sehr breites Spektrum abdecken. Gleichzeitig fokussieren wir damit auch klar auf das Kerngeschäft der Logistik der Kommunikation. Content oder Kreation sind nicht unser Business und da möchten wir auch nicht hin. Wir sind da für kreative Kunden und Agenturen, die einen Partner suchen, um die Ideen zielsicher zu den Konsument:innen zu bringen.
Ihre Agentur ist in Genf zu Hause. Ist das Fluch oder Segen?
Ja, (lacht). Wir sind seit über 20 Jahren in Genf zu Hause und wir haben damit viele Vorteile. Hohe Team-Kohäsion und -Konsistenz. Aber natürlich hat es auch Challenges, wenn ein Grossteil der Kunden in der Deutsch-Schweiz zuhause ist. Diese Challenges nehmen wir aber gerne an.
Welche Art von Mediaagenturen wird es auch in 10 Jahren noch geben? Welche Weichen müssen Sie selber stellen, dass sie auch dann noch Rankings gewinnen?
Die Agenturwelt verändert sich rasant – wer nicht flexibel bleibt, wird langfristig nicht bestehen. Wir investieren daher gezielt in neue Technologien und datengetriebene Strategien. Gleichzeitig gibt es für uns eine Konstante: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt. Langfristige Kundenbeziehungen, tiefes Marktverständnis und partnerschaftliche Beratung werden auch in zehn Jahren entscheidend sein.
Was Mediaagenturen hilft, dass die Kunden den Überblick über sämtliche Kanäle, Werbeformen gar nicht mehr haben und den Agenturen vertrauen müssen. Wie geben Sie den Kunden ein gutes Gefühl, dass deren Mediafranken gut verwaltet wird?
Vertrauen ist unser wichtigstes Kapital. Deshalb legen wir grössten Wert auf Transparenz und messbare Ergebnisse. Unsere Kunden erhalten detaillierte Reports und klare Entscheidungsgrundlagen, sodass sie jederzeit nachvollziehen können, wie ihre Media-Investitionen eingesetzt werden und welchen Impact sie haben.
Mediaagenturen verfügen über Macht, da sie über Daten verfügen. Wie wichtig sind Daten in Ihrer täglichen Arbeit?
Daten sind die Basis für unsere Arbeit. Wir entscheiden auf Basis von Daten und führen Kampagnen auf Basis von Daten aus. Darum engagieren wir uns nicht nur dafür, dass es viele Daten gibt, sondern auch, dass diese sowohl von hoher Qualität sind als auch von neutralen Quellen stammen.
Erfolgreich ist man, wenn man relevant ist. Relevant ist man, wenn man es versteht, zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Angebot die Zielgruppe zu bearbeiten.
Dies ist ein grosses Credo vieler Marketer. Wir möchten dieses mit einer zusätzlichen Sichtweise ergänzen: viele Konsument:innen wissen manchmal noch gar nicht, dass sie an einem Produkt interessiert sein könnten und man muss diese Personen auch auf sinnvolle Weise erreichen.
Wie viel Prozent ihrer Kunden arbeiten mit Funnels? Warum sind Funnels so wichtig?
Funnels sind ein etabliertes Instrument im Marketing und prinzipiell jeder unserer Kundinnen oder Kunden hat einen solchen Approach. Das Funnel-Denken wurde durch das Online-Marketing bekannt gemacht und hat damit eine grosse Anhängerschaft gefunden. Wir arbeiten mit allen Modellen unserer Kunden. Dabei weisen wir aber auch darauf hin, dass ein Denken im Funnel auch zu eng gesehen werden und zu Fehlinvestitionen führen kann. Zum einen besteht die Gefahr, dass mehr Lower-Funnel-Metriken zur Verfügung stehen und darum dieser Teil der Journey budgetär übergewichtet wird. Und zum Zweiten vergisst man gerne, dass der Funnel zwar ein hilfreiches Modell ist, die Menschen sich aber nicht immer so rational verhalten und alle Stufen der Customer Journey so durchlaufen, wie wir uns das vorstellen. Manchmal kaufen die Leute einfach so ein Produkt ohne vorherigen Kontakt mit dem Brand, manchmal lieben die Leute den Brand und kaufen das Produkt dennoch nicht und häufig wird der Wertbeitrag von Kundenloyalität überschätzt.
Und wie relevant sind TV-Formate und Plakatstellen heute noch?
Hoch relevant. Reden wir zuerst von TV: obwohl die Nutzung seit Jahren stetig zurückgeht, ist dies immer noch ein sehr mächtiges Werbe-Instrument. Es erreicht schnell viele Personen und dann auch noch mit einem hochwirksamen Werbemittel. Dann Aussenwerbung: dies ist das letzte wirklich öffentliche Medium, mit dem wir alle Zielgruppen-Segmente erreichen können. Es ist zudem eines der Medien, das am wenigsten stört und daher sehr akzeptiert ist. Und es ist ein dynamisches Medium, das sich mit digitalen Stellen weiter entwickelt.
Interview: Yves Seiler
Bilder: Zur Verfügung gestellt